Traum

Was sagen die Träume aus?

Bei den Untersuchungen der letzten 5 Jahre mit durchschnittlich 1300 Schlafableitungen pro Jahr, konnte auch im Osnabrücker Schlafzentrum die international bekannte Tatsache belegt werden, dass es große Unterschiede zwischen den einzelnen Patientengruppen, den verschiedenen Lebensabschnitten und des Alters gibt. Hierzu einige interessante Ergebnisse aus dem Labor:

  • Je mehr man träumt desto konfuser ist die Erinnerung an einzelne Träume.
  • Die letzten Träume der Nacht werden am besten behalten und können nacherzählt werden.
  • Je emotionaler der Trauminhalt geladen ist, desto besser die Erinnerung. Traumatische und belastende Lebensereignisse können lange Zeit verdrängt bleiben.
  • Personen, die ihre Impulse ohne Schuld und Angst am Tage ausleben können, haben eher ruhige Träume und sind schlechte Erinnerer. (Das Gehirn hat weniger zu sortieren und „abzuarbeiten")
  • Personen, die auch im Wachbewußtsein Verdrängung als Hauptabwehrmechanismus einsetzen, (bewusst oder unbewusst) können sich schlecht erinnern.
  • Gute Traumerinnerer zeichnen sich durch eine eher nach innen gerichtete Orientierung, sowie eine gewisse Ängstlichkeit aus. Solche Menschen sind häufig sensibel und empfindsamer als andere.
  • Frauen erinnern sich generell mehr an Träume als Männer.
  • Frauen berichten in ihren Träumen eher über Emotionen und handelnde Personen, die sich freundlich behandeln, auch sind eher familiäre Themen erinnerlich.
  • Männer dagegen berichten vermehrt über Aggressionen, Kastrationsangst, Leistungsstreben und deutliche Feindseligkeiten in ihren Träumen.
  • Unser Gehirn ist während des gesamten Schlafes tätig; lässt im REM-Schlaf imaginäre Phantasien entstehen, die im Wachbewusstsein evtl. als Probelösungen bei Konflikten eingesetzt werden.
  • Auch nach dem Einschlafen kommt es in den ersten 30 Minuten zu einem Verlust der Kontrolle über den logischen Gedankenablauf, vergleichbar mit dem Zustand in Hypnose. Die Gedanken schweifen ab. Die Orientierung von Zeit und Raum schwindet. Die Wahrnehmung des eigenen Körpers verschwimmt ebenfalls. Assoziationen und Phantasien sind besonders ausgeprägt.
  • Alpträume erscheinen gewöhnlich in der 2. Nachthälfte, enden häufig mit einem Aufschrecken, wobei man sich an den Traum erinnern kann.
  • Im REM-Schlaf ist man eher unempfindlich äußeren Reizen gegenüber. Der Schläfer konzentriert sich auf seine inneren Phantasien. Das wird subjektiv vom Patienten als tiefer Schlaf empfunden.

 

Die Beeinflussung des nacherlebten Trauminhaltes hat für den Träumer selbstverständlich auch Konsequenzen auf das Wachleben. Ist der erste Schritt getan, nämlich das morgendliche Erinnern an positive Trauminhalte, ist der zweite Schritt möglich: durch Wiedererinnern oder das Einfühlen in bestimmten Tagessituationen, können Konfliktsituationen am Tage schneller verarbeitet werden. Unser Wachbewusstsein und unsere Befindlichkeit profitiert sozusagen von den nächtlichen emotional verarbeiteten Lösungsstrategien. Von besonderer Wichtigkeit ist das Erlernen und Verinnerlichen positiv erträumter Szenen, denn auch die Grenze zu negativem Erleben ist sehr nah, da alle Erlebnisinhalte bearbeitet werden. Eine harmlose und völlig unbewusst ablaufende Koppelung solcher Speichermechanismen stellt das Deja-vu Erleben dar: bestimmte optische oder akustische Eindrücke lassen eine Kette scheinbarer Realitäten ins Bewusstsein treten, die das Gehirn jedoch falsch miteinander berbindet. So haben wir vielleicht den Eindruck beim Betrachten eines Postkastens oder einer Häuserecke in einer völlig fremden Stadt, hier schon einmal gewesen zu sein. Unser Gehirn hat uns eine Fehldeutung aus den Resten von Traum und Wirklichkeit produziert. Allerdings ist uns gleichzeitig klar in der betreffenden Tagessituation, das der Eindruck trügen muß, weil wir im Wachzustand nachvollziehen können, das wir die Stadt o.ä. noch nicht kennen konnten. Aus dem Gesagten ist auch verständlich, dass Traumentzug zur Verschlechterung der Lernleistung führen muss. Auch dies konnte in unserem Schlaflabor bei den Befragten bestätigt werden. Daher ist auch der ausreichende Schlaf unsere Kinder für die Schulleistungen wichtig. Wird das Gehirn des Kindes auch noch vor dem Schlafengehen mit aufregenden Filmen bombadiert, ist es kein Wunder, wenn im Schlaf zuviel „verdaut" werden muss und die Effektivität drastisch sinkt.(und die Lernleistung damit ebenfalls)

Wichtig und erstaunenswert waren die Reaktionen der Befragten im Schlaflabor Osnabrück: nahezu alle gaben an, dass sie mit positiven Einschlafsuggestionen und entspannenden Phantasiebildern, gute Erfahrung gemacht haben. Nicht die Probleme des Alltages gehören auf die Zudecke, sondern die Bereitschaft mit einem schönen Gedanken oder Bild einzuschlafen. Die Konflikte des Vortages können am Folgetag besser und schneller angegangen werden - eine Volkweisheit die mit heutigen Mitteln der Schlafmedizin ihren wissenschaftlichen Nachweis hat.

 

Warum träumen wir im Schlaf ?

Träumen ist ebenso wie der Schlaf ein lebenswichtiger Bestandteil unseres Tages- und Nacht Rhythmus. Träumen ist lebenswichtig. Aus Sicht der Schlafforschung ist ein erfolgreicher Tag nur möglich, wenn das Gehirn die Zyklen der Nacht mit periodischen Traumphasen durchläuft. Die Traumsequenzen in der Nacht, die sich wie Filmszenen aneinanderreihen, sind für alle Menschen zur Gesunderhaltung des Biorhythmus erforderlich. Chronischer Schlaf- oder Traumentzug kann innerhalb von Wochen zu Krankheiten führen, die sich zu Beginn mit vegetativen Symptomen, etwa: Gereiztheit, Nervosität, Konzentrationsstörungen, bemerkbar machen. Auch wenn viele Menschen glauben nicht zu träumen, stimmt das nicht mit den Messwerten im Schlaflabor überein. Durch Fragebogenerhebungen konnte festgestellt werden, dass insbesondere die Wahrnehmung des eigenen Schlafverhalten häufig nicht mit den darstellbaren Tatsachen von Körpervorgängen übereinstimmt. „Ich träume gar nicht", oder „Ich mache die ganze Nacht kein Auge zu" entspricht demnach nicht den Tatsachen. In solchen Fällen ist es dem Betreffenden nur nicht bewusst dass er schläft, weil das Gehirn eine Fehlmeldung produziert. Jeder Mensch träumt nacht für nacht periodisch und abhängig von der Schlaftiefe.

Dieser seit Menschengedenken spannende und faszinierende Anteil des täglichen Biorhythmus wird auch im Schlaflabor Osnabrück mit berücksichtigt bei der nächtlichen Datenerhebung und Auswertung der Schlafarchitektur. Dieser Teil unseres Bewusstseins (nämlich die nächtliche Berg- und Talfahrt des Gehirns in bewussten und unbewussten Anteilen) ist gleichermaßen von Schlafmedizinern, Psychotherapeuten , Zahnmedizinern (Zähneknirschen und Schnarchen) und anderen medizinischen Disziplinen von größtem Interesse. Die Aufdeckung von Schlafstörungen liefert viele wertvolle Erkenntnisse und Therapiemöglichkeiten anderer Erkrankungen. Folgeerkrankungen können verhindert werden.

Vor allem ist es der Verlust an positiver Tagesbefindlichkeit, den viele Menschen als erstes spüren, wenn die Nachtruhe nahezu unmerklich durch den Traumverlust gestört ist. Eine gestörte Schlafarchitektur kann viele psychische und körperliche Ursachen haben. Daher liegt es nahe, zumindest alle mentalen Resourcen und Hilfsmittel zu nutzen, die eine positive Traumarchitektur fördert.

Gelingt es uns beispielsweise, Träume wahrzunehmen und sie ein wenig in positive Richtung zu lenken, wäre ein wichtiger Schritt zur Unterstützung der nächtlichen Speicher- und Verarbeitungsmechanismen unseres Gehirns getan.

Die Wahrnehmung bzw. Erinnerbarkeit an einen Traum hängt bei allen Menschen anfänglich vom Weck- und Aufwachzeitpunkt ab. Das Erwachen aus dem REM-Schlaf heraus ist besonders effektiv, um den Trauminhalt zu reproduzieren. (Rapid Eye Movements sind die Schlafphasen schneller Augenbewegungen und Aktivität der Sehrinde des Gehirns, in denen die „Filme aus Alltag und Vergangenheit" abgespielt werden.)

Dabei ist die Erinnerungsfähigkeit am Morgen bei Erwachsenen ausgeprägter als am Anfang der Nacht. Durch den Traum versucht das menschliche Gehirn seelische Aspekte gleichsam zu verdauen, also „abzuarbeiten". Werden solche Filme zu Albträumen, benötigen wir evtl. andere Hilfsmittel zur Bewältigung emotionaler Vorgänge, die uns belasteten. In anderen Schlaftiefen (S1 bis S4) können jedoch auch Träume festgestellt werden. Nur sind sie uns weniger zugänglich, erscheinen vielen befragten Menschen fremder und unwirklicher, als in den REM Phasen. Das Gehirn sortiert also ständig die Tageseindrücke und alte gespeicherte Inhalte, um sie wieder neu im Gedächtnis (vielleicht dann auch ein wenig verändert) abzulegen. Anders als am Tage, ist die rechte Gehirnhälfte sehr aktiv und bereitet die emotionale Verarbeitung auf.

Bedeutung der Traumerinnerung

Es handelt sich hier um eine Traumerinnerung einer Frau mit Traumdeutung.

Mein Traum vom 18.04.2002

Ich befuhr an einem schönen Sommertag mit dem Auto eine zweispurige Landstraße. Ich fuhr ganz gemütlich auf der rechten Spur. Nach ein paar Metern sah ich auf der der linken Spur eine junge Frau im Minirock in einer verdrehten Stellung liegen. Sie ist offenbar angefahren worden. Ohne mich um die Verletzte zu kümmern, setzte ich meinen Weg fort. Nach kurzer Zeit sah ich am rechten Straßenrand ein altes verfallenes Haus. Im Garten des Hauses befand sich eine Familie namens Peter. Die Familie machte einen sehr schlichten Eindruck auf mich. Ein ovales Schild mit einer abgebildeten Ratte zeigte an, dass Herr Peter von Beruf Rattenvernichter ist. Oberhalb von Herrn Peter´s Kopf klettert eine Ratte vergnüglich im Baum. Herr Peter lächelt mich an. Ich fahre weiter.

Ortswechsel:

Ich befinde mich in den Räumlichkeiten, in denen ich meine Berufsausbildung absolviert habe. Ich sitze in der Hocke, vor mir befinden sich 6 - 8 Glasschalen, die ich nach und nach mit weißem, dann rosa Pulver fülle. Ich mische Rattengift an. Ich spüre beißenden Geruch in Nase und Augen. Im Hintergrund befindet sich eine weibliche Person, die ich aber nicht zuordnen kann. Wir unterhalten uns, worüber weiß ich nicht mehr.........

Meine Deutung:

Ich will den Mann, der mich über Jahre gequält und gedemütigt hat, endgültig aus meinem Leben verbannen. Da er noch große Macht über meine Person hat, weiß ich mir keinen anderen Rat, als ihn zu vergiften.

Der Ort, an dem ich das Gift anmische, die Frau dort im Hintergrund, zeigt mir, dass ich mit Hilfe der Psychotherapeutin lerne, mein Leben ohne diesen Mann zu gestalten. Da es sich um 6 - 8 Schalen mit Gift handelt, könnte es bedeuten, dass bis zur endgültigen Loslösung mehrer kleine Schritte notwendig sind. Die Ratte, die vergnüglich im Baum über Herrn Peter´s Kopf klettert bedeutet, dass er nichts gegen Ratten hat und sie nur tötet, wenn er einen Auftrag dazu erhält.

Die angefahrene Frau, um die ich mich in keinster Weise kümmere, könnte bedeuten, dass ich jetzt meinen Weg gehe, ohne mich zuerst um andere zu kümmern.

Quelle: Frau N, H

Osnabrück, den 11.06.2002

 

Traumerinnerung

Das Träume wichtige Botschaften darstellen, ist ihnen klar. Die Tatsache, dass jeder Mensch träumt, hilft ihnen nicht dabei, sich an eigene Träume zu erinnern. Häufig sind eigene Abwehrmechanismen der Gestalt, dass sie glauben, sich an keinen Traum erinnern zu können. Eigentlich ist es recht einfach dieses zu üben.

Es ist also wichtig, sich erinnern zu wollen - ganz ohne Zwang -. Somit hängt die Traumerinnerung von ihrer eigenen inneren Einstellung ab. Nehmen sie ihre Träume für wichtig, setzten sie sich jedoch nicht unter Druck, die Erinnerung daran herbeizwingen zu wollen. Dies würde eher zum Gegenteil führen. Neben der inneren Haltung, sich recht „locker" an einen Traum erinnern zu wollen, können sie einige Hilfsmittel nutzen:

Traumtagebuch

Lernen sie sich besser an die Träume zu erinnern, indem sie ihre Träume aufschreiben. Es reicht dabei völlig aus, diese stichwortartig zu notieren. Allein der Vorsatz, dass sie sich an einen Traum erinnern wollen, fördert sicherlich bei ihnen das Gefühl am nächsten Morgen auf das bereitgelegte Papier und Bleistift auf dem Nachttisch etwas zu schreiben. Wichtig dabei ist jedoch, dass sie erst den Film ihres Gehirns in Gedanken durchgehen, bevor sie ihn niederschreiben, da sie sonst häufig während des Schreibens den weiteren Fortgang des Traumes vergessen. Notieren sie einfach alles stichwortartig, was im Traum geschehen ist. Ein besonderes Augenmerk besteht darin, dass sie auf die gefühlsmäßigen Anteile achten (setzen sie sich immer wieder die stichwortartigen Einfälle, die zum Traum passen - also die Deutung, die ihnen beim Aufschreiben des Traumes einfallen). Nur wer bereit ist, ein Traumtagebuch zu führen, kann kreativ mit seinen Träumen umgehen und sie deuten lernen.

Legen sie sich also ein kleines Büchlein an den Nachttisch und nehmen sich morgens 3 Minuten Zeit dazu, Stichworte, Einfälle, aufzuschreiben. Viele Menschen nutzen dann noch einmal einige Minuten, um den Tag und die persönlichen Vorhaben in Gedanken (wie Filmstreifen oder Sequenzen) zu planen.

Traumdeutung: Träume bearbeiten

Methoden der Traumaufbereitung

Zum Abschluß dieses Artikels sollen nun verschiedene Techniken der Traumaufbereitung vorgestellt werden, die helfen können die psychischen Inhalte eines Traumes, zum Beispiel durch Wiederbelebung, verfügbar und somit verarbeitbar zu machen:

Trauminkubation

Bei der Trauminkubation stellt man sich bewußt vor dem Einschlafen in meditativer Stimmung eine Frage die es durch das Traumgeschehen zu beantworten gilt, bzw. Stellt man sich ein Problem vor, welches beispielsweise durch einen vorangegangenen Traum behandelt wurde, und das man jetzt zur Lösung bringen will.

Diese Methode setzt Erfahrung und einen guten Zugang zum Unterbewußtsein voraus, damit auch die Fragestellung oder der Wunsch bis in Unterbewußte vordringt. Es funktioniert nicht auf Anhieb, und man muß schon eine gewisse Zähigkeit und Ausdauer besitzen, um mit dieser Methode Einfluß auf seine Träume gewinnen zu können. Eine ausgeprägte Form dieser Methode ist das luzide Träumen, bei der man im Traum die Bewußtheit behält oder wiedererlangt, um dann aktiv in das Traumgeschehen eingreifen zu können.

Positive Träume lassen sich schon meist dadurch erzeugen, daß man sich vor dem Einschlafen auf einen angenehmen Trauminhalt vorbereitet, indem man sich diesen bildhaft vorstellt.

Traumwiederbelebung in der Meditation

Hierbei versucht man das Traumgeschehen in einer meditativen Stimmung zu visualisieren und die Handlung bildhaft und emtionsbeladenen wieder zu durchlaufen. Die Traumstruktur wird nicht bewußt verändert, sondern man trägt lediglich den Wunsch nach Lösung an den Traum heran und wartet eine Entwicklung ab.

Diese Methode ist besonders dann hilfreich, wenn man den Zugang zum vollständigen Traum im Tagesverlauf wieder verloren hat. Die Wiederbelebung des Geschehens und der Emotionen ermöglicht so eine Bewußtwerdung der Bedeutung und einer eventuellen Lösung.


Traumumwandlung

Die Traumumwandlung ist dann hilfreich, wenn man den Traum gedeutet hat, und aktiv die Traumrealität und die damit verbundenen Konsequenzen für das Wachbewußtsein verändern möchte.

Eine typische Anwendung dieser Methode wäre ein Fluchttraum, in dem man immer wieder vor einer Figur flüchtet, ohne es zu einer Auseinandersetzung oder Problemlösung kommen zu lassen. Ziel wäre es dann, an der entscheidenden Traumstelle eine Veränderung der Handlung zu visualisieren, und dann den veränderten Traumablauf mit seinen neuen Entwicklungsmöglichkeiten zu erleben. In dem Beispiel eines Verfolgungstraums könnte dies so aussehen, daß man stehenbleibt, sich umdreht und die verfolgende Figur fragt, was sie eigentlich von einem will. Würde diese Figur einen dann bedrohen, könnte man versuchen ein Friedensangebot zu machen, um die Ursachen des Konflikts zu erforschen und dann zu bereinigen.

Die Umwandlung von Träumen ist besonders dann wichtig, wenn es sich um Wiederholungsträume gleichen Inhalts handelt, in denen eine positive Entwicklung nicht von allein einsetzt. Man kann zum Beispiel im Wachbewußtsein ein Verhaltensmuster entwickeln, das zur Lösung der Probleme führt, und dieses solange in seiner Vorstellung wiederholen, bis es sich verinnerlicht hat.


Weiterführen des Traumes

Es handelt sich hierbei um eine ähnliche Technik wie die vorher beschriebene. Der wesentliche Unterschied zu Traumumwandlung besteht darin, daß man nicht das Traumgeschehen rückgängig macht, sondern weiterführt. Dies ist besonders für Träume interessant, aus denen man herausgerissen wurde, oder die man zwecks eines tieferen Zugangs zum Unbewußten nutzen möchte. Auch hier geschieht die Durchführung mittels Visualisierungstechniken oder für Geübte durch einen zweiten, bewußt beigeführten anschließenden Traum. Beispielsweise kann man dies sehr gut anwenden, wenn man im Traum eine interessante Traumfigur mit archetypischen Charakter kennengelernt hat und nun mit dieser in einen Dialog treten möchte.


Dialog / Zwiegespräch mit Traumfiguren

Gerade bei Träumen in denen archetypische Figuren und eigene Persönlichkeitsteile auftauchen, ist es wichtig die Möglichkeit eines Dialoges zu schaffen. Dazu gehört in erster Linie, daß man eine schizophrene Grundhaltung schafft, das heißt, daß man bereit ist, den Traumfiguren eigene Persönlichkeitsstrukturen zuzusprechen. Dementsprechend ist es von großer Wichtigkeit, den Namen der Traumfiguren in Erfahrung zu bringen. Manchmal geschieht dies bereits im Traum, in dem die Figur ihren Namen nennt. Da dies zu Beginn der Traumarbeit aber eher selten der Fall ist, muß man versuchen in meditativen Stimmungen diese Figur zu "beschwören", um einen Dialog mit ihr aufzubauen. Bei intensiver Arbeit mit dieser Methode, kann man so Schutzfiguren schaffen, die sich in brenzligen Situationen hilfreich neben einen stellen und einem bei der Lösung von Problemen helfen können.

Die Geschichte der Traumdeutung

Jahrtausendelang wurden Träume nur als Vorhersagen der Zukunft gedeutet, wenn sie überhaupt beachtet wurden. Man akzeptierte sie, wenn man auch nicht genau verstand wo sie herkamen, beziehungsweise wie sie entstanden. Es war die Aufgabe von Druiden, Priestern, Medizinmännern/-frauen oder Alten Weisen, sich mit diesen übersinnlichen, d.h. bewußtseinsfremden, Dingen zu beschäftigen. Die Trauminhalte schrieb man lange Zeit Einflüsterungen von Geistern und Dämonen zu, die einem wichtige Botschaften mitzuteilen hatten, oder aber das Ziel hatten den Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen. Häufig waren es auch die Menschen des fahrenden Volkes, die Zigeuner, denen die Beschäftigung mit diesen Orakeln der Zukunft vorbehalten war.

Erst ein neues Verständnis der menschlichen Psyche, begründet durch Sigmund Freud (1856-1939) und Carl Gustav Jung (1875-1961), sowie die neurologische Untersuchung des Gehirns, brachte Veränderungen in der Betrachtungsweise des Traumes hervor. Viele der heute noch weit verbreiteten Annahmen wie zum Beispiel, daß nicht jeder Mensch jede Nacht träumt, daß Träume blitzartig und sekundenschnell ablaufen, stochastische Störungen der Bewußtseinsstruktur sind, nur schwarzweiß ablaufen und so weiter, sind längst widerlegt. Erkenntnisse über luzides Träumen (Traumschlafen mit Bewußtsein) lassen sogar Vermutungen zu, daß der Bewußtseinszustand im Traum sich bezüglich des Aktivitätsgrades nur unerheblich von dem des Wachbewußtseins unterscheidet. Dieses nicht nur aus neurologischer Sicht, sondern auch in psychologischer. Die Grenzen zwischen Wachen und Traum, zwischen Realität und Vorstellung beginnen zu verschwimmen ....

Die Väter der modernen Traumdeutung

Wie oben bereits erwähnt, brachten die Forschungen der Psychiater S. Freud und C.G. Jung erstmals die bedeutende Wichtigkeit des Traumes als regulatives Instrument der Psyche hervor. Freud rückte in seinen Theorien von der alten Vorstellung ab, daß Träume die Zukunft vorhersagen und sah vielmehr in der Traumsymbolik die Möglichkeit, Motive eines Individuums verstehen zu lernen. Nach seiner Ansicht entsteht der Traum aus unbewußten Impulsen des ES (Unterbewußtsein, Trieb) und aus Gedächtnisinhalten, die infolge von Verdrängungen unbewußt geworden sind. Der Trauminhalt bedeutete für ihn immer eine Wunscherfüllung des ES, welche vom ICH (Bewußtsein) und vom ÜBER-ICH (anerzogene Normen) durch den Zensor (kontrollierende Instanz) unterdrückt wird, da er einen nicht annehmbaren Inhalt repräsentiert. Aufgrund des Druckes, der durch diese Wunschvorstellung erzeugt wird, wird das ICH daher gezwungen den Inhalt in ein Traumgeschehen zu transformieren. Der Traum stellt nach Freud daher eine Art Verdrängungsmechanismus dar, indem der Schläfer seine nicht bewußtseinsfähigen Wünsche ausleben kann, und so sein psychisches Gleichgewicht behält.

Im Gegensatz zu Freud, für den jeder Lebensantrieb und damit auch jede Wunschvorstellung sexueller Natur sein mußte, beinhaltet die Jung´sche Traumdeutung auch andere Antriebselemente im Menschen, die sich sowohl im Verhalten des Wachbewußtseins als auch im Traum manifestieren. Bei diesen Antriebsmechanismen handelt es sich um dynamische Strukturelemente der Psyche, genannt Archetypen, die dem kollektiven Unbewußten entspringen und damit allen Menschen gemein sind. Die Inhalte des Traumgeschehens können seiner Theorie nach sowohl kompensatorischer Natur sein, als auch Abbildungen des psychischen Entwicklungsprozeßes sein in dem ein Mensch steht, wobei auftretende Archetypen als Personifikationen bestimmter grundlegender menschlicher Verhaltensweisen und archetypische Symbole wichtige Umstrukturierungen nicht nur anzeigen, sondern auch aktiv bewirken.

Jungs Theorie nach lassen sich Träume immer auf zweierlei Weise betrachten: Zum einen begegnen wir in ihnen eigenen Persönlichkeitsteilen (Subjektstufe), zum anderen läßt sich der Traum als Verarbeitung des Tagesgeschehens verstehen (Objektstufe). Grundsätzlich ist bei der Traumdeutung die Objektstufe vorzuziehen; erst wenn sich aus dieser Betrachtungsweise keine evidente Erklärung ergibt, ist nach einer Deutungsmöglichkeit auf der Subjektstufe zu suchen, wobei allerdings auch die Möglichkeit einer Doppeldeutung besteht. In einem solchen Fall würde sich das Unterbewußtsein in der Wahl des Handlungsrahmens und der zentralen Traumsymbole an Erfahrungen des Tagesgeschehens orientieren, trotzdem aber wichtige psychische Mitteilungen oder Verarbeitungsprozeße des Unterbewußtseins des Träumers in den Handlungen verschlüsseln.

Neben diesen beiden psychologischen Theorien, die heute zu den am weit verbreitetsten gehören und in ihren Grundaussagen auch als anerkannt gelten, entwickelten sich im Laufe der neurophysiologischen Forschung auch weitere Theorien, von denen einige diese stützen, andere wenige hingegen einen harten materialistischen Kurs steuern, in denen beispielsweise jede Form von Hirnstromaktivität während der Traumphasen stochastischen Ursachen zugeschrieben wird. Wendet man diese Theorie allerdings konsequent auch auf unser Wachbewußtsein an, muß man davon ausgehen, daß unser Verhalten keinerlei Antrieb oder Willen unterliegt, sondern lediglich von zufälligen Entladungen unserer Hirnzellen (Neuronen) abhängt.

Evolutionär betrachtet ist der REM-Schlaf eine jüngere Funktion als der NON-REM-Schlaf. Der REM-Schlaf muß also sehr wahrscheinlich den Lebensformen bestimmte Vorteile bieten oder sich als eine Notwendigkeit für das Entstehen von komplexeren Lebensformen ergeben haben.

Reptilien, die die ältesten noch existierenden Lebensformen repräsentieren, sind die einzigen Tiere die den REM-Schlaf nicht kennen (ausgestorbene frühe Arten wie die Gruppe der Dinosaurier kannten nach heutigen Erkenntnissen ebenfalls keinen Traumschlaf). Selbst Vögel zeigen schon Ansätze eines REM-Schlafs, auch wenn sich dieser bei ihnen nur in frühen Lebensjahren zeigt. Ansonsten verfügen alle Säuger mehr oder weniger stark über die Fähigkeit des Traumschlafens.

Interessant ist die Beobachtung, daß je komplexer der Cortex einer Tierart ist, desto komplexer ist auch sein Schlaf und - desto länger ist auch die Dauer seiner REM-Phasen im Verhältnis zur Restschlafzeit. Raubtiere träumen mehr als Beutetiere. Zum einen da sie auch bessere kognitive Fähigkeiten besitzen, also höher entwickelt sind, zum anderen aber auch, weil sie sich den Luxus des "mehr schlafens" und träumens leisten können. Für sie besteht weniger die Gefahr eines Übergriffs während der Schlafzeit als bei Beutetieren.

Obwohl der REM-Schlaf an sich aus neurologischer Sicht vom Hirnstamm, dem evolutionär ältesten Teil des Gehirns, ausgeht, tritt er nur bei Tierarten mit einem gut entwickelten Großhirn auf. Beim Traumschlaf handelt es sich also entgegen einer weitverbreiteten Annahme nicht um eine "veraltete" primitive Bewußtseinsfunktion, sondern um eine junge komplexe, die stark vom evolutionären Entwicklungsgrad abhängig ist, und nur durch Wechselwirkung mit dem Neocortex möglich wird.

Von einer Wechselwirkung mit dem Neocortex muß man auch deswegen sprechen, weil der REM-Schlaf nicht nur erst durch diesen möglich wird, sondern weil die kognitiven Fähigkeiten des Großhirns in einer direkten Abhängigkeit zum Vorhandensein bzw. von der Intensität des Traumschlaf stehen. In Experimenten stellte sich heraus, daß die Fähigkeit des Lernens und des abstrakten Denkens bei REM-Schlaf Entzug erschwert bis unmöglich gemacht wird. Außerdem entdeckte man starke Korrelationen zwischen geistiger Aktivität und der Dauer des Traumschlafs. Dies erklärt auch, warum bei Menschen bei denen die geistige Aktivität im fortschreitenden Alter nachläßt im selben Maße weniger REM-Schlaf auftritt (nachlassende geistige Aktivität ist jedoch keine biologische Determinante des Alters, sondern ist einzig und allein auf die Lebenshaltung/-führung einer Person zurückzuführen!).

Der REM-Schlaf bestimmt aber nicht nur unsere kognitiven Fähigkeiten während unseres bewußten Lebens, sondern er spielt sowohl in der pränatalen Entwicklung des Gehirns als auch in den späteren Prägungsphasen im Kindes- und Jugendalter eine wesentliche Rolle. Der REM-Schlaf dient der Gehirnentwicklung indem in der Zeit des Traumschlafs Vernetzungen von Neuronen d.h. psychische Neuprägungen ermöglicht werden. Das Gehirn eines entstehenden Menschen verbringt beispielsweise im fötalen Zustand 80 % seiner Zeit im REM-Schlaf - einer Zeit in der grundlegende Strukturen seines späteren Bewußtseins und seiner Fähigkeiten geprägt werden. Bei einem neugeborenen Säugling beträgt die Verweildauer im REM-Schlaf bereits nur noch 50 % seiner Schlafzeit, wobei die Schlafzeit durchschnittlich bei 20 Stunden am Tag liegt. Es ist davon auszugehen, daß in diesen REM-Phasen genetisch determinierte biologische, später aber auch soziale Verhaltensmuster geübt, durchspielt und somit erlernt werden.

Aufgrund der Prägungsmöglichkeit während der REM-Phasen kommt den Träumen neben der indirekten tiefenpsychologischen Möglichkeit der Interpretation von Trauminhalten natürlich auch eine direkte pragmatische Bedeutung zu: Positive Trauminhalte, die das Selbstwertgefühl des Träumers anheben rufen nicht nur eine kurzfristige positive und optimistische Grundhaltung des Tagesbewußtsein hervor, sondern wirken genauso prägend wie eine reale, wachbewußte Erfahrung. Umgekehrt wirken Angst- und Hemmungsträume natürlich auch entsprechend negativ auf die Stimmung und langfristig auch auf das Selbstwertgefühl. Es gelingt zwar äußerlich meist schnell diese unangenehmen Inhalte zu verdrängen, der prägende Charakter wirkt aber trotzdem, so daß sich ein Teufelskreislauf entwickeln kann, sofern man nicht aktiv dagegen ansteuert. In Fällen des unbewußten Umgangs mit sich wiederholenden Trauminhalten und einer allgemein gleichgültigen oder ablehnenden Haltung gegenüber dem eigenen psychischem Innenleben, sind psychische Störungen, die sich in Form psychosomatischer Erkrankungen, Neurosen, Psychosen oder ähnliches zeigen können, vorprogrammiert.

Die Trauminhalte selbst setzen sich zum größten Teil aus Inhalten und Eindrücken des Tageserlebens zusammen, wobei die Psyche / das Unterbewußtsein nun die Möglichkeit bekommt diese Inhalte aufzuarbeiten, neu zu bewerten und damit zu bewältigen. Tagsüber verdrängte Inhalte können sich ausdrücken und dadurch der Ausbruch von Psychosen verhindert werden (siehe auch weiter unten). Im Freudschen Vokabular ausgedrückt kann man sagen, daß die Über-Ich-Funktion, die durch Normen, Erziehung und Moral gebildet wird, ihre Wirkung verliert und so psychischer Druck, der im Spannungsfeld zwischen dem beschneidenden Über-Ich und dem triebhaften Es entstanden ist, sein Ventil findet.

Entzieht man der Psyche die Möglichkeit der psychischen Aufarbeitung während der Traumschlafphasen durch REM-Schlaf-Entzug, wird der REM-Schlaf nachgeholt, sobald dies ermöglicht wird. Ist die Entzugsdauer zu groß, kommt es zu massiven psychischen Störungen: Bei Langzeit-Experimenten im Schlaflabor weckte man die Probanden jedesmal, wenn diese in den REM-Schlaf eintraten. Bei keinem der Probanden zeigten sich irgendwelche negativen physischen Auswirkungen wie unter Tiefschlaf-Entzug, während sich aber bereits nach 2 Tagen deutliche psychische Unverträglichkeitserscheinungen bemerkbar machten. Die Probanden waren nervös, depressiv und / oder gereizt bis aggressiv. Angstzustände traten unvermittelt auf und bei einigen Personen mit entsprechender Disposition kam es zum Ausbruch von Psychosen. Typisch waren auch Bewußtseinsausfälle und Halluzinationen ähnlich denen unter Drogeneinfluß stehender Personen. Auch die kognitiven Leistungen und die Konzentrationsfähigkeit der Probanden ließen wie erwartet bereits nach kurzer Zeit erheblich nach.

Bei anderen Untersuchungen stellte man fest, daß drogenabhängige Personen unter dem Einfluß der jeweiligen Droge nicht in der Lage sind in den REM-Schlaf zu gelangen. Dieser Faktor erklärt neben anderen die äußerst labile psychische Situation von Abhängigen. Bei ihnen entfällt die psychisch regulierende Funktion des REM-Schlafs. Aber auch hier kommt es nach Absetzen der Droge, d.h. nach Entzug zu einem Nachholen des verloren gegangenen Traumschlafs. In solchen Fällen können bis zu 90 % des Schlafs aus REM-Phasen bestehen.

Es dürfte inzwischen deutlich geworden sein, daß der Traumschlaf eine bedeutende biologische und psychologische Funktion hat, indem er die strukturelle Entwicklung des Gehirns beeinflußt, die im Wachbewußtsein erlernten Inhalte vertieft und wieder erinnerungsfähig macht, sowie Neuprägungen und Konditionierungen erst ermöglicht. Seine wesentlichen Funktionen lassen sich in 3 Worten fassen:

Wie Sie Träume für sich nutzen können

Damit Sie Ihre Träume erleben können, sagen Sie sich, bevor Sie abends einschlafen: »Heute nacht träume ich, und morgen früh erinnere ich mich an meine Träume!«
Sobald Sie sich morgens an einen Traum erinnern können, nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um das, was Sie noch vor Augen haben, in Gedanken durchzugehen. Spüren Sie auch dem Gefühl nach, das Sie im Traum hatten.
Notieren Sie sich den Traum in einem kleinen Traumtagebuch. Versuchen Sie, Verbindungen mit Ihrem Alltag herzustellen, und sprechen Sie mit Ihrem Partner oder Freunden über Ihren Traum, wenn er Ihnen wichtig erscheint.

Schöne Träume

Jeden Abend, bevor Sie einschlafen, lassen Sie noch mal den Tag vor Ihrem inneren Auge passieren. Schenken Sie unangenehmen Ereignissen keine weitere Beachtung (ziemlich ungewohnt, oder?). Diesmal geht?s um alles Schöne und Wohltuende, was Sie an diesem Tag erlebt haben. Am besten schreiben Sie diese Dinge auf.
Mit der Erinnerung daran schlafen Sie dann ein. Das gibt schöne Träume und ein

Aus Träumen lernen

Viele glauben, daß sie nie träumen - doch jeder Mensch träumt nachts. Träume sind sogar lebenswichtig, denn durch sie verarbeiten wir nochmals all das, was wir tagsüber erlebt haben. Selbst scheinbar sinnlose und chaotische Träume zeigen uns Bruchstücke von dem, was wir noch aufzuarbeiten haben, wie verdrängte Konflikte, Probleme am Arbeitsplatz, unbewußte Wünsche und vieles mehr.

Alpträume

Wenn Sie häufig unter Alpträumen leiden, manchmal sogar regelrecht Angst haben, einzuschlafen und zu träumen, sollten Sie sich von einem Therapeuten, der sich mit Träumen beschäftigt, beraten lassen und gegebenenfalls eine Therapie machen.

Alles rund um den Alptraum

Was sind Alpträume?

Alpträume, auch Angsträume oder REM-Alpträume genannt, sind Schlafstörungen mit Angstzuständen im Traum. Die Betroffenen wachen wiederholt auf, sind aber rasch wieder völlig orientiert und wach und erinnern sich detailliert an ausgedehnte, bedrohliche und furchteinflößende Träume. Unglücklicherweise wird der Begriff Alpträume gelegentlich auch für Pavor nocturnus verwendet, obgleich es sich hier um zwei ganz unterschiedliche Phänomene handelt.

Epidemiologische Aspekte 

Etwa fünf Prozent der Gesamtbevölkerung berichten von aktuellen, weitere sechs Prozent von vergangenen Alpträumen. Im Kindesalter sind sie häufiger: Nach Schätzungen könnten etwa ein Viertel aller Kinder betroffen sein. Häufigkeit und Verlauf sind sehr individuell. Manchmal wird über mehrere Alpträume pro Woche oder gar pro Nacht berichtet, manchmal treten sie nur selten auf. Bei Kindern verliert sich die Störung meistens wieder. Bei Fortdauer oder wenn die Alpträume erst im Erwachsenenalter auftreten kann die Störung über Jahrzehnte bestehen bleiben.

Alpträume beginnen in mehr als der Hälfte der Fälle vor dem zehnten bzw. zwei Drittel vor dem 20. Lebensjahr. Es wurde eine Häufung um das 5. Lebensjahr herum festgestellt. Danach nehmen die Alpträume ab.

Im Kindesalter treten Alpträume bei Jungen und Mädchen gleich häufig auf. Bei Erwachsenen sind sie öfter bei Frauen anzutreffen.

Symptomatik

Furchterregende, lebhafte, ausgedehnte Angstträume, die Leben, Sicherheit oder Selbstwertgefühl bedrohen. Das sind die Anzeichen von Alpträumen. Manchmal treten sie kurz hintereinander auf, manchmal nur sporadisch. Eine Häufung findet sich im Zusammenhang mit seelischem Streß, seltener bei körperlicher Belastung. Nach dem Erwachen ist der Betroffene rasch wieder völlig orientiert und wach. Nur wenige haben anschließend Schwierigkeiten, wieder einzuschlafen. Der Angstträume kann in der Regel sofort, oder am nächsten Morgen detailliert geschildert werden.

Psychophysiologisch sind Angsttraumepisoden zwar zu jedem Schlafzeitpunkt möglich, sie treten aber - gekoppelt an die REM- Schlafphasen - vor allem gegen Ende der Nacht auf, wenn der REM- Schlaf zunimmt. Im REM- Schlaf ist der Muskeltonus am stärksten herabgesetzt. Deshalb finden sich trotz bedrohlicher Alpträume erstaunlich wenig Körperbewegungen. Das ist ein wichtiger Gegensatz zum Pavor nocturnus. Nach dem Aufwachen kann es aber zu einer ausgeprägten Psychomotorik kommen.


Ursachen

Alpträume gehen meistens auf psychischen, seltener auf körperlichen Streß zurück. Manchmal hängen sie mit einer Änderung der Schlafumgebung zusammen. Bei Kindern finden sich im allgemeinen keine seelischen Störungen, bei Erwachsenen sollen sich häufiger psychopathologische Auffälligkeiten zeigen: Mißtrauen, Entfremdung, Überempfindlichkeit u. ä. Auffälligkeiten können auch konkrete Krankheitsbilder sein, vor allem Persönlichkeitszüge, die an schizoide oder Borderline- Syndrome erinnern. Aus psychologischer Sicht betrachtet ist dies nicht selten und vor allem bei künstlerischen Neigungen zu erwarten. Eine Chronifizierung ist eher selten.

Alpträume können auch pharmakogen ausgelöst oder unterhalten werden. Dies betrifft vor allem Psychopharmaka z. B. niederpotente Neuroleptika, trizyklische Antidepressiva und Benzodiazepin- Tranquilizer bzw. Hypnotika. Einige psychotrope Medikamente unterdrücken den REM-Schlaf. In dieser Zeit treten selten Alpträume auf. Nach deren Absetzen kann es zu einem REM-rebound (plötzliche REM-Zunahme) kommen. Das könnte möglicherweise für manche Traumaktivitäten im allgemeinen sowie Alpträume im besonderen mitverantwortlich sein.

Alpträume pflegen bei entsprechender Häufung nicht ohne Folgen zu bleiben. Das betrifft vor allem die Furcht vor der Nacht sowie vor Leistungseinbußen während des Tages.-

Behandlung

Bei Alpträumen im Kindesalter sollten die Kinder vor allem während der Nacht beruhigt werden. Am nächsten Tag das Ereignis nicht dramatisieren. Dafür nach einiger Zeit eine ruhige, sachliche Aussprache mit dem Versuch, mögliche Hintergründe zu erfahren: zwischenmenschliche oder schulische Belastungen, traumatisierende Erlebnisse, Überforderung, aber auch vermeidbare Auslöser, z. B. Monsterfilme oder ähnliches.

Falls nötig kann Autogenes Training für Kinder mit dem Erlernen von Selbstinstruktionen ("das ist nur ein Traum") oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson erlernt werden

Im Erwachsenenalter sind Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten ähnlich, wobei hier noch nach pharmakogenen Auslösern gefragt werden muß. In schweren Fällen wird eine nervenärztliche bzw. psychotherapeutische Behandlung empfohlen.

Alpträume können zwar immer wieder aufwecken, doch sind die Betroffenen stets völlig orientiert und wach und erinnern sich detailliert an ausgedehnte und stark ängstigende Traumbilder. Dies unterscheidet sie vom Pavor nocturnus.

Alpträume sind im Kindesalter häufig und im allgemeinen kein Grund zur Besorgnis. Im Erwachsenenalter können sie zu ernsteren psychosozialen Auswirkungen führen und bedürfen dann einer entsprechenden Behandlung (meist psychotherapeutisch orientiert). Eine kurzzeitige Besserung ist durch Medikamente erreichbar, die den REM- Schlaf unterdrücken

Vor fünfzig Jahren träumten viele Menschen schwarzweiß

Die Träume der Menschen sind offenbar eng an die Entwicklung des Fernsehens gebunden: Nach der Verbreitung des Fernsehens in den fünfziger Jahren berichteten auffallend viele Menschen, sie träumten in schwarzweiß. Farbenfroher wurden die Traumerinnerungen erst wieder, als auch Fernsehfilme in Technicolor erstrahlten, behauptet ein amerikanischer Philosoph.

Eric Schwitzgebel von der Universität Kalifornien in Riverside fielen die unterschiedlichen Berichte über die Farbe der Träume beim Vergleich von Schlafstudien der vergangenen Jahrzehnte auf. Er glaubt allerdings nicht, dass in den Fünfzigern tatsächlich mehr schwarzweiß geträumt wurde. Vielmehr wüssten Menschen nur sehr wenig über die nächtlichen Vorgänge in ihrem Kopf. Erinnerten sie sich später an ihre Träume, interpretieren sie die Bilder daher so, wie sie die traumähnlichen Geschichten der Fernsehfilme erleben, erklärt der Philosoph in einem Beitrag für die Zeitschrift "Studies in History and Philosophy of Science" (Bd. 33, S. 649).

Die nur mit den Augen wahrgenommenen Fernsehfilme seien auch der Grund, warum wir nur selten davon träumen, angefasst zu werden, schreibt Schwitzgebel. Das wird sich nach Vorstellungen des Philosophen ändern, wenn von den virtuellen Realitäten des Fernsehens oder Internets eines Tages auch der Berührungssinn stimuliert wird. Auch in den Erinnerungen an unsere Träume werden dann wohl mehr Berührungen vorkommen.
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KROKODIL IM SCHLAFZIMMER-Was Träume über uns verraten und wie wir sie lenken können

Das Krokodil schleicht sich durch die Türritze ins Schlafzimmer. Wolfgang zittert am ganzen Leib. Es kriecht an sein Bett, öffnet sein großes Maul. Seine scharfen Zähne blitzen im Mondlicht. Wolfgang streckt die Arme von sich, will es wegstoßen. Blitzschnell schnappt das Raubtier zu. „Nein!", schreit Wolfgang verzweifelt. Er öffnet die Augen und sitzt senkrecht im Bett. Wieder nur ein Traum.

Seit Wochen träumte Wolfgang von dem Krokodil, das jede Nacht in sein Schlafzimmer gekrochen kam und nach ihm schnappte. Das Krokodil war nach Ansicht der Psychologen ein Symbol für Wolfgangs Mutter, die den heute 42-Jährigen schon in früher Kindheit spüren ließ, dass sie ihn nicht mag. Bei Wolfgang entwickelte sich ein Trauma, das er längst abgeschüttelt zu haben glaubte. Aber in seinen Träumen lebte es weiter.

„Wenn wir träumen, läuft in unserem Kopf eine Müllverbrennungsanlage", sagt Traumforscher und Mediziner Christoph Schenk. Träume sind keine Schäume, sondern drücken oft unverarbeitete Ereignisse aus. Etwa den Tod des Partners, den Streit mit der Mutter, die Scheidung, den Verkehrsunfall. „Unser Gehirn kombiniert wahllos Erlebtes mit Situationen, die wir im Fernsehen gesehen oder in einem Buch gelesen haben", erklärt der gebürtige Münsteraner Schenk.

In seinem Schlaflabor in Osnabrück untersucht Schenk Menschen mit Schlafstörungen. Auch Träume können den Schlaf erheblich belasten. Die meisten Menschen haben mehrere pro Nacht. Nur an ganz intensive können sie sich erinnern. Sie laufen immer nach der Tiefschlafphase ab, weit nach Mitternacht.

„Wenn wir träumen, sind wir fast wach", sagt Christoph Schenk. Dann läuft im Gehirn das ab, was der Traumforscher Kopfkino nennt. Dabei sind einige Träume noch viel spannender als ein Kinofilm, etwa die Albträume. Von Albträumen reden die Wissenschaftler, wenn eine Situation jede Nacht aufs Neue ins Gehirn drängt, wie das Krokodil in Wolfgangs nächtlichen Fantasien. Oder wenn es besonders blutig und gefährlich zugeht. Wobei eine Regel für jeden Albtraum zutrifft: Wenn es zu gefährlich wird, wachen wir auf. Etwa wenn wir auf einen Abhang zurennen und in die Tiefe stürzen. „Spätestens kurz vor dem Aufprall sind wir wach."

So wie Wolfgang immer aus dem Schlaf aufschreckte, als das Krokodil zuschnappte.

Die Enträtselung der träume hat schon in der Vorzeit Menschen in ihren bann gezogen. Medizinmänner, Druiden und alte Weise glaubten, es seien wichtige Botschaften von Göttern oder Dämonen.

Erst Sigmund Freud erkannte zur Jahrhundertwende, dass Träume ein Ausdruck der Psyche sind, des Unterbewusstseins, das der Mensch tagsüber meist völlig kontrolliert --im Schlaf aber nicht mehr beherrschen kann.

In jedem Traum versuchte Freud Symbole der Sexualität zu deuten. Die heutige Forschung weiß, dass das übertrieben war. „Wenn ein Mensch von einer Schlange träumt, heißt das noch lange nicht, dass er sexuell unbefriedigt ist. Es könnte genauso sein, dass er am Tag vorher im Zoo war", nennt Schenk ein Beispiel. Erst der Zusammenhang zwischen dem, was jemand träumt, und dem, was er erlebt, macht dem Mediziner die Deutung möglich.

Dafür kommen viele Patienten über Nacht in sein Schlaflabor. Sie werden mit unzähligen Kabeln an Geräte angeschlossen, die die Gehirnströme messen. An der Aktivität des „Oberstübchens" kann Schenk ablesen, ob ein Patient träumt. Sobald die Traumphase zu Ende geht, weckt der Mediziner seinen Patient, damit er sich unmittelbar erinnern kann.

Wobei nicht jeder, der oft träumt, automatisch psychische Probleme hat. Im Gegenteil, sagt der Traumforscher: „Träume sind wichtig, damit wir das Tagesgeschehen verarbeiten können".

Und seine Träume kann man beeinflussen, meint Schenk. Positives Träumen nennt er diesen Vorgang. „Am wichtigsten ist, dass man seine Probleme nicht mit ins Bett nimmt." Entweder vorher mit jemandem darüber reden oder sich auf andere Gedanken bringen, zum Beispiel durch autogenes Training vor dem Einschlafen. Und man sollte sich bewusst machen, welche Fantasie-Reise man unternehmen möchte. „Dann können wir unsere Träume auch lenken."

Besonders gefährlich werden Träume nur für etwa drei Prozent der Bevölkerung: die Schlafwandler. Es ist genetisch festgelegt, wer im Traum durch die Wohnung wandert, berichtet der Mediziner. Träume spiegeln sich normalerweise ausschließlich in der linken Gehirnhälfte - der „Gefühlshälfte" - ab. Die rechte Hälfte, zuständig für Bewegungen, ist praktisch ausgeschaltet. Außer bei Schlafwandlern. „Bei denen fehlt ein Hemmstoff im Gehirn. Sie führen das aus, was sie träumen", erläutert Christoph Schenk. Er räumt gleichzeitig ein, dass das Schlafwandeln noch weitgehend unerforscht ist. Nur eins ist klar: Wenn einer im Traum aus dem Bett aufsteht, passiert in den allerwenigsten Fällen etwas. „In der eigenen Wohnung kennt sich der Mensch zwar im Schlaf aus, darüber hinaus würde er aber sofort aufwachen - weil er irgendwo gegen läuft."