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Schlafwandeln


Jeder kennt diese teilweise spektakuläre Form der Schlafstörung: in den Traumphasen bewegen sich die Menschen, gehen umher oder verhalten sich teilweise wie im Wachzustand indem sie die Wohnung putzen oder sonstige Tätigkeiten ausführen. Das berühmte …auf dem Dach umher stolzieren... kann dabei durchaus auftreten, wenn es auch nicht an der Tagesordnung ist. Während solcher Handlungen sollten die Träumer jedoch nicht geweckt werden! Erwachen sie nämlich in einer solchen Situation, kann demjenigen schnell die gefährliche Situation in der er sich befindet bewußt werden und es kann zu Fehlreaktionen führen!

Somnambulismus ist eine familiär gehäufte Arousal-Störung, die überwiegend bei Kindern zwischen 4 und 8 Jahren auftritt und bis Ende der Pubertät dauern kann.

Der Somnambulismus (von lateinisch somnus – der Schlaf und ambulare – wandern) oder auch die Somnambulie, auch als die Mondsucht (Lunatismus), das Schlafwandeln oder Nachtwandeln bezeichnet, ist ein Phänomen, bei dem der Schlafende ohne aufzuwachen das Bett verlässt, umhergeht und teilweise auch Tätigkeiten verrichtet. Somnambulismus ist eine Schlafstörung und gehört zu der Untergruppe der Parasomnien. Der aktuelle Forschungsstand, der Untersuchungen in Schlaflabors berücksichtigt, geht davon aus, dass es sich beim Schlafwandeln um eine Störung des Aufwachmechanismus handelt, der abweichend vom Verhalten der meisten Schläfer zu nicht bewussten psychomotorischen Aktivitäten und zum Aufstehen führt. Bei anderen Menschen führt kurzes Aufwachen während des Schlafens nur dazu, dass der Betreffende sich im Bett umdreht oder bewegt und einfach weiterschläft. Somnambulismus tritt nur in Tiefschlaf-Phasen auf, nicht in den Traumphasen (REM-Schlaf). Der jeweilige Vorfall dauert meist nur einige Minuten. Die Diagnose, ob jemand ein Schlafwandler ist, kann in einem Schlaflabor mit Hilfes eines so genannten Schlafentzugs-EEGs gestellt werden.

Über die Häufigkeit des Phänomens liegen nur Schätzungen vor. Bei Erwachsenen gehen sie von ein bis zwei Prozent chronischen Schlafwandlern aus, bei Kindern sind dagegen zwischen zehn und 30 Prozent betroffen. Das kindliche Schlafwandeln verliert sich in den meisten Fällen in der Pubertät. Auch bei Erwachsenen handelt es sich nicht immer um eine andauernde Erscheinung, mitunter tritt sie nur einmalig oder wenige Male auf, zum Beispiel im Zusammenhang mit Stress.

Nach dem Erwachen aus dem Schlafwandeln sind die Betroffenen einige Minuten desorientiert (verwirrt). Am Morgen besteht dann in der Regel eine völlige Amnesie. Verstärkt wird die Symptomatik häufig durch seelische Anspannung, wie z. B. nach Schulwechsel oder bei Problemen in der Familie. Kinder mit Pavor nocturnus (angstbesetzte Aufwachstörung, häufiges verwirrt sein beim Erwachen) sollten nicht in einem Hochbett schlafen, die Fenster sollten mit Kindersicherungen versehen sein und die Treppen sollten gesichert werden.

Differentialdiagnostisch muß abgeklärt werden, ob Faktoren wie Alkohol, Medikamente oder Fieber das Schlafwandeln verursachen. Es kann auch bei der Schlafapnoe und bei anderen pathologischen Unterbrechungen des Tiefschlafes auftreten. Schlafwandeln tritt häufig mit pavor nocturnus auf und ist von komplex-fokalen epileptischen Anfällen aus dem Schlaf heraus zu trennen.

Parasomnien im Kindesalter Ätiologisch nimmt man an, daß das Schlafwandeln wie andere Parasomnien auf eine Störung des Arousalprozesses zurückzuführen ist. Ursächlich für das Schlafwandeln sei eine aus dem Tiefschlaf erfolgende unvollständige Weckreaktion, die sich im Ausführen somnambuler Handlungen äußert, ohne daß der Schläfer dabei vollständig wach werde.

Die Ursache des unvollständigen Erwachens liegt in einer Unreife des ZNS (Zentral-Nerven-System), die meist mit dem Eintritt der Pubertät sistiere. Da Somnabulismus familiär gehäuft auftritt, wird zudem eine genetische Komponente angenommen. Weiterhin ist bekannt, daß Schlafwandeln im Kindes- und Jugendalter vermehrt nach Übermüdung, Streß und emotionalen Belastungen auftritt.

Zusammenfassung


Schlafwandeln ist charakterisiert durch Willkürbewegungen im Tiefschlaf, angestoßen durch eine Wachreaktion. Vorkommen überwiegend bei Kindern. Meist spontane Rückbildung. Therapie nur bei Verletzungsgefahr erforderlich. Bis zur Ausreifung des motorischen Systems ist das Schlafwandeln, sofern es ohne Selbst- oder Fremdgefährdung auftritt, als normales, entwicklungsbedingtes Symptom aufzufassen. Streß, Schlafentzug, Alkohol und übermäßiger Koffeingenuß können Auslöser sein. Therapeutisch können Vorsatzbildung mit entsprechenden Entspannungstechniken kombiniert oder Medikamente wie Antiepileptika und trizyklische Antidepressiva eingesetzt werden, wobei letztere die Symptome auch auslösen können.

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